Success Story
Success Story: Coup x Boost Fertility
Marion Vollmer hat gelernt, was es bedeutet, wenn der Wunsch nach einem Kind alles überschattet. Genau das treibt Boost Fertility an. Wie das Münchner MedTech-Startup 185.000 € Forschungsförderung mit Coup gesichert hat und was das bedeutet, erfährst du hier.
Antonia Lüdeke
05.05.2026
Inhalt
tl;dr
- Boost Fertility hat mit dem Pleiades Device™ eine patentierte Lösung entwickelt, die Gynäkologinnen und Gynäkologen ermöglicht, intrauterine Inseminationen direkt in der Praxis durchzuführen. Damit bietet das System eine patientenfreundliche Alternative zur klassischen IVF-Behandlung, da kein Besuch im Kinderwunschzentrum nötig ist.
- Co-Founderin und CSO Dr. Marion Vollmer ist Biomedizinwissenschaftlerin und weltweit führende Expertin für Spermienbewegung.
- 185.000 € Forschungszulage über 4 Jahre, die das Wachstum des Unternehmens in einer entscheidenden Phase maßgeblich unterstützt hat.
- Coup übernahm den Antrag von A bis Z. Marion musste lediglich lesen, prüfen und freigeben.
- Ihr Fazit: „Ich würde Coup auf jeden Fall weiterempfehlen.”
Wenn aus Wissenschaft eine Mission wird: Die Geschichte hinter Boost Fertility
Als Marions erstes Kind auf die Welt kam, besuchte eine Freundin sie zu Hause, um den Jungen zu sehen. Die Frau trat ins Zimmer, sah das Baby, und brach in Tränen aus. Sie und ihr Partner hatten eine lange und schmerzhafte Reise hinter sich, die Art, die einen von innen aushöhlt, wie Marion es später beschreiben würde. Marion verstand in diesem Moment, worum es bei ihrer Arbeit wirklich geht: die Trauer, die Sehnsucht, die Erschöpfung des Wartens auf etwas so Grundlegendes wie ein Kind. Die Geschichte jener Freundin hat ein gutes Ende, denn ihre Tochter wurde am ersten Geburtstag von Marions Sohn geboren, durch eine IUI, die intrauterine Insemination: eine schonende, nicht-invasive Behandlung, bei der aufgereinigte Spermien direkt in die Gebärmutter eingebracht werden, ohne Hormoninjektionen, ohne IVF. Eine Methode, die funktioniert, aber heute noch viel zu selten angeboten wird. Genau das will Marion ändern.
Marion wollte eigentlich nur Embryonen beobachten. Doch die drifteten ihr unter dem Mikroskop immer wieder aus dem Blickfeld und dieser kleine Frustrationspunkt wurde zum Ausgangspunkt für eine Idee, die heute Tausenden Paaren helfen könnte.
Als Embryologin und Entwicklungsbiologin stieß sie in Toronto auf die Mikrofluidik: winzige Strukturen, die biologische Systeme beeinflussen und steuern können. Dort baute sie an einem der ersten mikrofluidischen Chips zur Spermienaufreinigung und erkannte das kommerzielle Potenzial. Zurück in Deutschland meldete Marion das weiterentwickelte Design noch vor der Gründung, mit eigenem Geld, zum Patent an. Gemeinsam mit ihrem Partner Daniel Wilson gründete sie dann Boost Fertility – sie mit der wissenschaftlichen Grundlage, er mit der Startup-Erfahrung aus dem Silicon Valley. Dass das mitten in der Pandemie passierte, mit drei kleinen Kindern zuhause, macht die Geschichte nicht weniger beeindruckend.
Das Ergebnis jahrelanger Forschung ist das patentierte Pleiades Device™. Es bildet die Grundlage für Boost IUI™, eine klinisch validierte, nicht-invasive Komplettlösung, die Gynäkologinnen und Gynäkologen in die Lage versetzt, intrauterine Inseminationen direkt in der Praxis durchzuführen. Bisher mussten Paare dafür in spezialisierte Kinderwunschzentren mit allem, was dazugehört: lange Wartezeiten, hohe Kosten, emotionaler Druck.
Dabei ist der Bedarf enorm. Weltweit ist fast jede fünfte Person von Unfruchtbarkeit betroffen, und dennoch hat es in der Behandlung seit über 50 Jahren kaum nennenswerte Innovationen gegeben. Boost Fertility will das ändern, mit Boost IUI™ als Standardbehandlung, bevor Paare überhaupt an ein Kinderwunschzentrum überwiesen werden. Zunächst in den USA, wo gerade die FDA-Zulassung läuft, dann weltweit.
Wir haben mit Marion gesprochen, über die Forschungszulage, die Zusammenarbeit mit Coup und darüber, was es bedeutet, wenn auf einmal jemand anderes die Bürokratie übernimmt.
Der Weg zur Forschungszulage: Erst gescheitert, dann gefunden
Für ein junges MedTech-Startup, das gleichzeitig ein medizinisches Gerät zur Marktreife bringt und eine FDA-Zulassung vorantreibt, ist jede Ressource kostbar.
Frühere Versuche bei Förderwettbewerben und Accelerator Programmen blieben ohne Erfolg. Boost Fertility wurde stets als „zu risikoreich” eingestuft, was in der frühen Phase des Unternehmens nicht ganz unberechtigt war. Aber sie haben sich durchgeboxt, ein Produkt entwickelt und ein Unternehmen aufgebaut. Mit einem ausgereiften Produkt und einer klaren Forschungsgrundlage war die Forschungszulage das Fördermittel, das schlussendlich bewilligt wurde.
Marion stieß über Instagram auf das Thema Forschungszulage und landete nach einer kurzen Google-Suche bei Coup. Ein Erstgespräch später war die Entscheidung gefallen.
Eine mögliche Hürde: Boost Fertility ist ursprünglich in Irland registriert. Da die Geschäftsführung aber in Deutschland sitzt, wird das Unternehmen steuerlich wie eine deutsche GmbH behandelt und war damit voll antragsberechtigt. Coup klärte das schnell und unkompliziert.
Was den Ausschlag gab, war die Einschätzung von Dr. Lucia Gharwalová. Als R&D Consultant bei Coup stufte sie das Projekt von Anfang an als sehr erfolgversprechend ein. Für Marion, die zuvor so oft mit leeren Händen dagestanden hatte, war das keine Kleinigkeit.
„Das war das erste Mal, dass wir solche Gelder beantragt haben, weil wir bisher immer große Zweifel hatten. Mit Coup war es das erste Mal, dass wir gesagt haben: okay, wir machen das jetzt.”
Was „aktiver Partner” wirklich bedeutet
Wer ein Startup führt, kennt das Gefühl: Alles hängt an einer Person. Entwicklung, Investorengespräche, Zulassung, Kommunikation – die Liste hört nicht auf. Da ist jede Stunde, die man nicht in bürokratische Anträge stecken muss, bares Geld.
Genau das hat Coup geliefert. Lucia übernahm die komplette inhaltliche und formale Ausarbeitung des Antrags, behördenkonform, nach den Kriterien der Bescheinigungsstelle Forschungszulage (BSZF) und ohne dass Marion den Faden zur eigentlichen Arbeit verlieren musste.
„Ich hatte wenig Arbeit. Das war wirklich einfach schön. Auf einmal schreibt da jemand was für mich – ich muss das einfach nur lesen und sagen: ja oder nein.”
Was das im Alltag konkret bedeutete:
- Kein Einarbeiten in Behördendeutsch: Coup kannte die Sprache der BSZF und formulierte den Antrag so, dass die Innovationsschritte des Pleiades Device™ exakt nach den Bewilligungskriterien dargestellt wurden.
- Kein Verlust von Entwicklungszeit: Marion konnte sich auf FDA-Vorbereitung und Produktentwicklung konzentrieren – Coup lieferte, sie gab frei.
- Mehr als kompetent: Die Zusammenarbeit mit Lucia wurde nicht nur als professionell erlebt, sondern auch als persönlich angenehm, was in einem ohnehin stressigen Gründerinnenalltag mehr wert ist, als man denkt.
Das Ergebnis: 185.000 € Forschungszulage über vier Jahre. Bewilligt. In einer Phase, in der es das Unternehmen dringend brauchte.
„Die Bewilligung der Forschungszulage, die wir gemeinsam mit Coup beantragt haben, hat signifikant dazu beigetragen, dass es Boost Fertility jetzt noch gibt.”
Was andere Gründerinnen und Gründer daraus mitnehmen können
185.000 € in einer Durststrecke. Das klingt nach Glück, ist es aber nicht. Es ist das Ergebnis einer klaren Entscheidung: den richtigen Zeitpunkt abwarten, den richtigen Partner wählen und die Bürokratie abgeben.
Drei Learnings von Marion:
- Timing ist alles. Frühere Förderversuche scheiterten, weil Boost Fertility noch als „zu risikoreich” galt. Wer ein klar entwickeltes Produkt und eine belastbare Forschungsgrundlage hat, steht deutlich besser da, auch wenn das bedeutet, ein, zwei Jahre zu warten.
- Kapital ohne Verwässerung ist selten. Das Unternehmen hat bisher über 3 Millionen Dollar von Investoren eingesammelt. Trotzdem – oder gerade deshalb – weiß Marion, wie wertvoll Kapital ist, das keine Anteile kostet. Die Forschungszulage ist genau das.
- Bürokratie lässt sich abgeben. Der Antragsprozess ist aufwendig, komplex und zeitfressend. Was Marion am meisten überrascht hat ist, wie wenig Aufwand der Prozess mit Coup tatsächlich bedeutete. Lucia übernahm die Formulierung und Einreichung des gesamten Antrags. Marion musste nur lesen, prüfen, freigeben. Kein monatelanger Kraftakt.
„Ich würde Coup auf jeden Fall weiterempfehlen. Es war eine sehr angenehme Erfahrung – vor allem, weil auf einmal jemand anderes die Arbeit für mich erledigt hat.”
Fotos: © Sapna Richter